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26.09.19

Ein Stromimpuls kann Leben retten

Ein Defibrillator ist bei einer Reanimation ein wichtiger Helfer. Die Feuerwehr Jesserndorf hat so ein Gerät aus Eigenmitteln für die Bevölkerung angeschafft.


Jesserndorf - Erste Hilfe und Herz-Lungen-Wiederbelebung sind kinderleicht. Sprichwörtlich haben das bei einem Aktionstag der Freiwilligen Feuerwehr Jesserndorf mehrere Mädchen und Jungen demonstriert, die an einem Phantom die Reanimation geübt haben. Gemeinsam mit dem Bayerischen Roten Kreuz hatten die Feuerwehr-Verantwortlichen die Bevölkerung am vergangenen Samstag eingeladen. Im Mittelpunkt des Nachmittags stand die Vorstellung des neu angeschafften Defibrillators und dessen Handhabung und Funktionsweise.

„Wir wollen Ängste abbauen“, beschrieb FFW-Vereinsvorsitzender Manfred Bühler das Ziel des Informationsnachmittags, zu dem rund 150 Besucher gekommen waren. Der so genannte AED (Automatisierter Externer Defibrillator), kurz Defi genannt, hängt seit einiger Zeit an der Fassade des Feuerwehrhauses und kann bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand von Ersthelfern jederzeit geholt und zum Notfallort gebracht werden. Dazu muss man einfach nur die grüne Schutzhaube in Pfeilrichtung abdrehen und das kleine weiße Gerät entnehmen, wie 2. Kommandant Marko Hager und Vorsitzender Manfred Bühler vorführten. Bei der Abnahme der Haube ertönt ein Signalton; das ist normal, er soll vor einem potentiellen Diebstahl schützen.

Beide erklärten schließlich Wissenswertes zu dem Gerät, das rund 2800 Euro gekostet und das der Feuerwehrverein aus Eigenmitteln angeschafft hat. Ein tragisches Ereignis im Dorf gab dafür letztlich den Ausschlag. Vor rund zwei Jahren brach ein Feuerwehrkollege daheim in Jesserndorf bewusstlos zusammen und erlitt einen Herzstillstand. Im Feuerwehrhaus fand zur selben Zeit eine Fortbildung statt, an der auch zwei Rettungsdienstmitarbeiter beteiligt waren. Sie eilten sofort in die Nachbarschaft und begannen mit der Wiederbelebung, bis kurz darauf ein BRK-Rettungswagen und ein Notarzt eintrafen.

Dank der schnellen Reaktion aller beteiligten Ersthelfer konnte der Feuerwehrmann erfolgreich wiederbelebt werden und führt heute wieder ein normales Leben mit lediglich geringen körperlichen Einschränkungen. Auch er war am Samstagnachmittag zu Gast bei dem Aktionstag und sprach mit Besuchern über seine Erfahrungen. Die Dankbarkeit an die damals beteiligten Ersthelfer und das Rettungsteam ist noch immer groß. Ohne deren Hilfe hätte er den Herzstillstand nicht überlebt. Zur Finanzierung des Defibrillators will der Mann aus Dankbarkeit eine Spende an den Feuerwehrverein richten.

Zur Vorführung einer Reanimation sowie der Anwendung und Funktionsweise eines Defibrillators hatte die Feuerwehr das Bayerische Rote Kreuz eingeladen. Die beiden Rettungssanitäter Annalena Voigt und Michael Will von der Rettungswache Ebern waren mit einem Rettungswagen gekommen, der von den Gästen besichtigt werden konnte. Im Mittelpunkt stand aber der Umgang mit dem Defibrillator und die Frage, was solch ein Gerät eigentlich macht und wie man es anwendet.

Dazu hatten die beiden Rettungsdienst-Mitarbeiter ein Übungsphantom dabei und ebenso einen Übungs-Defi, mit dem eine Reanimation unter realistischen Bedingungen geübt werden kann. Während Annalena Voigt die Reanimation und die Einbindung des Defis Schritt für Schritt an der Übungspuppe demonstrierte, gab Michael Will per Mikrofon parallel dazu die notwendigen Erklärungen.

Das Allerwichtigste sei, keine Scheu zu haben, bei Verletzten oder Erkrankten Erste Hilfe zu leisten. Eine Nachfrage beim Publikum ergab, dass der ein oder andere schon einmal Erste Hilfe leisten musste. Sie ergab aber auch, dass beim Großteil ein Erste-Hilfe-Kurs schon viele Jahre oder sogar Jahrzehnte zurückliegt. Deshalb ermunterten die beiden Rettungssanitäter, doch mal wieder einen solchen Kurs beim BRK zu besuchen. Er dauert lediglich neun Unterrichtseinheiten, also rund acht Stunden. Gut investierte Zeit, die mitunter vielleicht einmal Leben retten könnte.

Bricht jemand bewusstlos zusammen kommt es sprichwörtlich auf Minuten an, machte Michael Will deutlich, der beim BRK-Kreisverband Haßberge auch Pressesprecher und für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Denn hat jemand einen Herzstillstand erlitten, sinkt dessen Überlebenschance pro Minute, in der nicht mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen wird, um zehn Prozent. Schon nach fünf Minuten bestehen also nur noch 50 Prozent Überlebenschancen. Ein Rettungswagen trifft nach einem Notruf unter 112 bei der Integrierten Leitstelle in aller Regel nach acht bis 15 Minuten an einem Notfallort ein. Werde bis dahin keine Reanimation durchgeführt, sei das Leben eines Menschen kaum mehr zu retten.

„Deshalb kommt Ersthelfen eine ganz entscheidende Rolle zu“, verdeutlichte Will. Die von Laienhelfern begonnenen Reanimationsmaßnahmen werden anschließend von Rettungsdienst und Notarzt weitergeführt, wobei zusätzlich Medikamente und auch ein Defibrillator zum Einsatz kommen. Denn bei bestimmten Fällen während eines Herzstillstandes, beim so genannten Kammerflimmern, kann nur ein Stromimpuls wie er von einem Defi ausgelöst wird, diesen Zustand unterbrechen und das Herz im besten Fall wieder in einen „normalen“ Rhythmus überführen.

Nichts anderes macht der Defi, wie er am Feuerwehrgerätehaus hängt. Wenn möglich und in Reichweite, sollte so ein Gerät von Dritten immer zu einer Reanimation hinzu gebracht werden, während ein oder zwei Helfer beim Patienten bleiben und die Wiederbelebung (30x drücken, 2x beatmen) ununterbrochen fortsetzen. „Ist man alleine, muss man die Wiederbelebung sofort beginnen und ohne Unterbrechungen weiterführen“, sagte Michael Will. „Bitte laufen sie dann nicht erst zum Feuerwehrhaus und holen den Defi, das wäre kontraproduktiv.“

Ist jemand bewusstlos, muss man prüfen, ob er noch atmet. Wenn ja, legt man den Patienten in die stabile Seitenlage und achtet darauf, ob er weiterhin atmet. Stellt man beim Bewusstlosen keine Atmung fest, muss sofort mit der Wiederbelebung begonnen werden. Dabei wird im Wechsel 30-mal der Brustkorb gedrückt und zweimal beatmet. Insgesamt sollte man 100- bis 120-mal pro Minute drücken und das etwa fünf bis sechs Zentimeter tief.

Nach der Vorführung durch die beiden Rettungsdienstmitarbeiter bestand für die Besucher die Möglichkeit, selbst zu reanimieren und den Defi anzuwenden. Jürgen Arneth war spontan bereit und führte eine Reanimation an dem Phantom aus, die Gäste schauten gespannt zu. Und sie erkannten dabei, dass das alles ganz einfach ist, wie auch Arneth bestätigte. Zumal der Defi beim Einschalten sofort alle notwendigen Anweisungen per Sprachbefehl gibt. Selbst ein Laie, der noch nie mit so einem Gerät gearbeitet hat, kann es ohne Vorkenntnis anwenden. „Man muss nur das tun, was einem gesagt wird“, verdeutlichte Will. „Sie können nichts falsch machen.“

Der Defi ist nach Worten von 2. Kommandant Marko Hager übrigens auch überörtlich verfügbar. Er kann über die Integrierte Leitstelle angefordert werden; diese kann bei Bedarf den Mannschaftstransportwagen der Feuerwehr mit Personal alarmieren, um den Defi zu einem Notfallort zu bringen.

Während des Aktionstages stand für die Besucher auch ein Fire-Trainer zur Verfügung. Damit kann ein Kleinbrand demonstriert werden und echte Flammen mithilfe von Feuerlöschern gelöscht werden. 2. Kommandant Marko Hager und seine Feuerwehrkollegen unterstützten die Löschversuche dabei mit Tipps. Sie zeigten die richtige Handhabung eines Feuerlöschers und wie man ihn effektiv einsetzt.


Stichwort: Kammerflimmern


Kammerflimmern ist eine lebensgefährliche Herzrhythmusstörung. Das Herz ist nicht mehr in der Lage, Blut zu pumpen, die Betroffenen werden innerhalb von Sekunden bewusstlos. Unbehandelt führt diese Rhythmusstörung in wenigen Minuten zum Tod.

Normalerweise kontrahieren die Muskelzellen der Herzkammern 60- bis 80-mal pro Minute. Dabei wird das in den Herzkammern gesammelte Blut durch eine koordinierte Kontraktion des Herzmuskels, den Herzschlag, in den Körperkreislauf gepumpt. Zwischen den Herzschlägen füllen sich die Herzkammern erneut mit Blut.

Beim Kammerflimmern ist diese Ordnung plötzlich gestört. Es entstehen sogenannte kreisende Erregungen in der Kammer. Dabei können Frequenzen von bis zu 800 pro Minute auftreten.

Aufgrund dieser sehr schnellen Frequenz kommen bei Kammerflimmern jedoch keine effektiven Herzschläge mehr zustande. Es wird daher kein Blut mehr in den Körperkreislauf gepumpt. Ein Puls ist bei den Betroffenen nicht mehr tastbar. Es kommt zum Kreislaufstillstand.

Beim Kammerflimmern muss versucht werden, den Herzrhythmus durch einen Stromstoß wieder in den richtigen Takt zu bringen. Dabei wird über die Elektroden per Knopfdruck kurzzeitig Strom in den Körper des Betroffenen geleitet. Weil so alle Muskeln gleichzeitig einen elektrischen Impuls bekommen, kann deren folgende Aktivität wieder synchronisiert werden. Je früher eine Defibrillation durchgeführt wird, desto besser sind die Überlebenschancen der Betroffenen.

 

Text und Bilder: BRK Haßberge, Michael Will

 

Feuerwehr-Vereinsvorsitzender Manfred Bühler (links) und 2. Kommandant Marko Hager (rechts) stellten den Defibrillator vor, den der Feuerwehrverein angeschafft hat und der an der Fassade des Feuerwehrhauses für jedermann greifbar hängt.

An einem Fire-Trainer konnte das Löschen eines Kleinbrandes mithilfe von Feuerlöschern geübt werden. Besonders für Kinder eine tolle Attraktion.

Die beiden Rettungssanitäter Annalena Voigt und Michael Will führten anhand eines Phantoms eine Reanimation unter Einsatz eines Defis vor und gaben dazu alle notwendigen Erklärungen.