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Pilotprojekt Führungsunterstützung 11/1 und 12/1 - ein voller Erfolg!

Nachdem während der Corona-Pandemie nur die nötigsten Grundausbildungen abgehalten werden konnten, durfte die Kreisbrandinspektion nun endlich wieder eine neue Landkreisausbildung als Pilotprojekt anbieten. Der Lehrgang Führungsunterstützung 11/1 und 12/1 wurde an den vergangenen beiden Wochenenden in unserem Ausbildungszentrum Gleisenau abgehalten und war ein voller Erfolg, wie die Teilnehmer resümierten. Hintergrund dieses Lehrgangs ist es, den Feuerwehren für die Unterstützung des Einsatzleiters Grundwissen in Theorie sowie in praktischen Übungen zu übermitteln.

Begonnen hat die Ausbildung am Freitagabend um 18:00 Uhr. In den kommenden 3,5 Stunden begrüßte Lehrgangsleiter KBM Jonas Ludewig die teilnehmenden Feuerwehren aus Ebern, Hofheim, Stettfeld und Eltmann. Somit konnte man aus allen vier Inspektionsbezirken Wehren zu diesem Pilotprojekt begrüßen. Im Anschluss ging KBM Thomas Neeb auf die Rechtsgrundlagen im Bayrischen Feuerwehr- sowie Katastrophenschutz genauer ein. Er erläuterte wer die Einsatzleitung übernehmen kann beziehungsweise muss und welche Mittel zur Führungsunterstützung dem Einsatzleiter zur Verfügung stehen. Somitkönnte es auch vorkommen, dass ein Führungsfahrzeug in eine andere Gemeinde alarmiert wird, um dort den Einsatzleiter zu unterstützen.

Nach einer kurzen Pause ging es dann in die Bibel der Führung und Leitung über, die FwDV100. KBM Jonas Ludewig erläuterte detailliert das Führungssystem. Dieses besteht aus der Führungsorganisation (Aufbau), dem Führungsvorgang (Ablauf) sowie den Führungsmitteln (Ausstattung). Im Bereich der Führungsorganisation haben die Teilnehmer in Gruppenarbeiten die Unterschiede der verschiedenen Führungsstufen ausgearbeitet. Zudem wurde für die jeweilige Führungsstufe das passende Führungsmittel sowie die Personalstärke erörtert. Der Bereich des Führungsvorgangs wurde nur kurz angesprochen, da dies primär in den Gruppen- oder Zugführerlehrgängen der staatlichen Feuerwehrschulen gelehrt wird. Zum Abschluss des ersten Abends wurde sich noch intensiver mit den verschiedenen Führungsmitteln befasst, welche als Informationsgewinnung aber auch zur Informationsverarbeitung und -weitergabe benötigt werden.

Am Samstagmorgen fanden sich die Teilnehmer ab 09:00 Uhr im Feuerwehrausbildungszentrum ein. Zum Start gab es eine Wiederholung des Erlernten vom Vorabend, bevor KBI Ralf-Peter Schenk mit dem Thema „Einsatzorganisation und Struktur“ fortfuhr. Hier wurde beispielsweise die bekannte „2-5er Regel“ besprochen. Außerdem haben die Feuerwehren verschiedene Hilfsmittel zum Strukturieren eines Einsatzes mit an die Hand bekommen, denn Struktur und Ordnung des Raumes sind immens wichtig für einen reibungslosen Ablauf an der Einsatzstelle. Im Anschluss wurde als nächstes Themengebiet die Kommunikation an der Einsatzstelle sowie die Zusammenarbeit mit der Integrierten Leitstelle (ILS) besprochen. Gerade das Funkaufkommen muss über das Führungsfahrzeug koordiniert werden, um die Funkgruppe für weitere Einsätze freizuhalten. Nachdem die Betriebswörter der Funksprache sowie der richtige Aufbau eines Funkspruches wiederholt wurden, ging KBI Schenk noch auf die Zusammenarbeit mit der ILS und die Möglichkeit der rückwärtigen Führungsebene ein.

Nach der Mittagspause startete KBM Maximilian Wüstenberg mit dem Thema: „Führungsunterstützung und seine Möglichkeiten“. Der erste Bestandteil war eine von der Kreisbrandinspektion entwickelte Einsatzdokumentation. Ziel ist es, dass alle Führungsfahrzeuge mit diesen Dokumenten ausgestattet sind und arbeiten können. Diese enthalten alle Bestandteile, die für die Einsatzführung sowie die Struktur an der Einsatzstelle, aber auch für eine spätere Übergabe an die UG-ÖEL wichtig sind. Weiter referierte Wüstenberg über die Ausstattung eines Führungsfahrzeuges, den Aufbau einer Funkskizze sowie die Grundregel 4x4x4 für die Einsatzführung und Dokumentation. Im Folgenden wird diese Regel kurz erläutert:

4: Haupttätigkeiten der Einsatzstellendokumentation

4: Dokumentationspflichtige Ereignisse

4: Personalbesetzung für die Einsatzleitung mit einem Mehrzweckfahrzeug (MZF) oder einem Einsatzleitwagen 1 (ELW 1)

Diese Grundregel ist immens wichtig für den Erfolg der Einsatzorganisation und der Führungsunterstützung.

Nach dieser Einheit stand das letzte Thema auf dem Programm. KBM Jonas Ludewig erläuterte den Wehren das Führen einer Lagekarte und welche Informationen aus der Lagekarte und der dazugehörigen To-Do Liste von Nöten sind. Hierzu gab Ludewig einige Beispiele und zeigte diese direkt auf. Um das Erlernte zu festigen wurde im Anschluss ein praktisches Beispiel im Ausbildungszentrum durch die einzelnen Gruppen ausgearbeitet. Hier handelt es sich um einen Bauernhofbrand in unserem Landkreis, bei welchem viele Informationen gefiltert und auf die Lagekarte übertragen werden mussten, was die Teilnehmer ins Schwitzen brachte. Im Anschluss trugen die Führungskräfte ihre Ergebnisse den Kollegen vor. Im Anschluss wurden die Vor- sowie Nachteile der einzelnen Führungsmittel diskutiert und besprochen. Der Ausbildungstag wurde mit einer Feedbackrunde abgeschlossen.

Eine Woche später trafen sich die Ausbilder zur Vorbereitung einer praktischen Übung, welche von KBM Jonas Ludewig ausgearbeitet wurde. Alle teilnehmenden Feuerwehren wurden in ein Zeitfenster eingeteilt, um mit ihrem eigenen Führungsfahrzeug ein Einsatzszenario abarbeiten zu können. Der teilnehmende Kommandant war hierbei der Einsatzleiter und musste nach der Erkundung seinem Führungsfahrzeug die Lageeinweisung geben und sich für die ersten Maßnahmen entscheiden. Die entsprechenden Einspieler (KBI Schenk, KBM Neeb, KBM Wüstenberg und 1. Kdt FF Eltmann Fabian Hümmer) wurden nicht nur als „Leitstelle“ eingesetzt, sondern auch als Berater des Einsatzleiters sowie als Abschnittsleiter. Ein wahrlicher Stresstest für das Führungsfahrzeug, welcher der Realität ziemlich ähnelte, so das Resümee der Teilnehmer. In einer anschließenden Feedbackrunde wurde die Arbeit des Teams nachbesprochen und Hilfestellungen für die Zukunft gegeben.

Wir erhielten für diese Ausbildung äußerst viel positives Feedback der teilnehmenden Feuerwehren. Da es sich um ein Pilotprojekt handelte wird es bei zukünftigen Ausbildungen natürlich auch kleinere Optimierungen geben. Allerdings waren sich die Teilnehmer durchwegs einig, dass es eine interessante, kurzweilige und vor allem effektive Landkreisausbildung war. Diese Ausbildung soll der Grundlehrgang für das Führen eines Führungsfahrzeuges 11/1 oder 12/1 sein. Zudem sollen noch weitere Aufbaulehrgänge in den nächsten Jahren folgen.

Interessierte Feuerwehren können sich bei KBM Jonas Ludewig gerne melden.

Text und Bilder: Kreisbrandinspektion Haßberge
Ausbilder Team: KBM Jonas Ludewig, KBI Ralf-Peter Schenk, KBM Thomas Neeb, KBM Maximilian Wüstenberg, 1. Kdt. Eltmann Fabian Hümmer (praktischer Teil)   

<-- Einsatzdokumentation als Download